Kleinwindradtest

Kleinwindräder werden viele angeboten, oft sind das aber nur primitive Importware oder von Bastlern in Kleinserie hergestellte Einzelstücke, denen die Langzeiterfahrung fehlt. Die von uns getesteten Kleinwindturbinen starten zum Teil schon ab einer Windgeschwindigkeit von 2 m/s und sind z.B. zur Batterieladung für Wochenendhaus, Berghütte, Wohnmobil oder Segelschiff geeignet.

Bei Sturm werden sie entweder elektronisch abgeregelt oder schwenken nach oben oder seitlich aus der Windrichtung; zu Reparaturzwecken lassen sich die meisten per Stoppschalter anhalten. Die Windräder wurden zuerst auf unserem Prüfstand vermessen, dann mussten sie im Windkanal am Stuttgarter Institut für Strömungstechnik Leistung zeigen und 10 wurden wochenlang im Schwarzwald und in Kanada den Stürmen ausgesetzt. Die Windräder, von Preis und Bauform sehr unterschiedlich, zeigten Stärken und Schwächen. Leider stimmten die meisten Angaben in den Prospekten oder auf den Webseiten nicht mit der Wirklichkeit überein: Da wurde bei der Startgeschwindigkeit gemogelt, oder es wurden die Leistungsdaten total übertrieben. Wenn ein Windrad statt der angegebenen 450 Watt nur maximal 180 Watt im Sturm erreicht, oder die Leistung bei einer Windgeschwindigkeit von 26 m/s angegeben wird, dann ist das für den Käufer mehr als ärgerlich. Manche Hersteller werben sogar mit der „theoretisch möglichen Leistung“, auf die Idee ist noch nicht einmal die Autoindustrie gekommen. Auch wird mit total übertriebenen Jahreserträgen behauptet, man könne im Binnenland mit Windrädern bis 2 kW ganze Häuser komplett mit Strom versorgen oder sogar beheizen! Mit noch so raffinierter Technik lässt sich nun mal nicht mehr Leistung herausholen als der Wind zur Verfügung stellt.

Fazit: Wer sich ein Kleinwindrad für Batterieladung oder Netzeinspeisung kaufen möchte, sollte genau prüfen, welche Leistung und Qualität er für den gewünschten Preis erwarten kann. Hier eine kurze Testauswertung (ausführliche Beschreibung im Buch „Wind ins Netz“ von Günther Hacker):

MKM 100 wurde von Dieter Münnich (†) speziell für Schwachwind entwickelt: Die den Schiffsschrauben nachempfundenen superleisen Flügelblätter aus Glasfaser passen gut zu dem eisenlosen Scheibengenerator, Start schon bei 1,7 m/s, Akkuladung ab 3 m/s, da stehen die meisten Windräder noch. Einzelfertigung von Hand. Wird nicht mehr hergestellt. Aus diesem Windrad ist unser beliebtes Serienwindrad FLIP entstanden.



FLIP 150 Das fast unhörbare FLIP 150 ist von uns speziell für Schwachwindgebiete zum Laden von Akkus weiter entwickelt worden. Scheibengenerator von Perm Motoren. Start ist bei 1,8 m/s. Dadurch ist das FLIP besonders in Wohngebieten für Gartenhäuser, Ferienhäuser, Schulen oder Kindergärten geeignet. Wir mussten leider die Produktion einstellen.



RUTLAND 910 Englischer 6-Flügler, ältere Modelle mit robustem Metallgehäuse, ca. 100 Watt gemessen, Nachfolgemodell mit viel Plastikteilen, Leistung auf 70 Watt gebremst, keine Sturmbremse, eigentlich für die Schifffahrt konzipiert, für Akkuladung mit Laderegler.

PACIFIC Leises und robust gebautes englisches 100-Watt-Kleinwindrad. Das Aluminiumgehäuse, die Kunststoffflügel und die seewasserfest gekapselten Kugellager machen einen haltbaren Eindruck, was unser Langzeittest mit 5 Pacific bestätigte. Der 6-Blatt-Rotor hat 91 cm Durchmesser, das Gewicht beträgt 12,5 kg. Das Pacific ist zur Akkuladung für kleinere Anlagen aber nur in Starkwindgegenden geeignet.

BreezeBreaker Ausgepackt und wieder eingepackt. Den Test konnten wir uns sparen. Es reichte, was uns enttäuschte Käufer über ihre Erfahrungen mit dem Windrad und dem deutschen Hersteller berichtet haben: Aerodynamisch und technisch mangelhaft, Start erst bei Starkwind, im Gegensatz zur übertriebenen Werbung nur äußerst geringe Leistung, Unwucht, Flügelrisse. 2013 rettete sich der Hersteller durch Konkurs.

AEROCRAFT 240 Dreiflügler mit Metallgehäuse und Glasfaserflügeln, Stromabführung mit Schleifringen, Sturmbremse durch "Helikopterstellung", 19 kg Gewicht, robustes und leises Akkuladegerät, keine Testprobleme.

FIT 300 Aus Tschechien stammender formschöner Dreiflügler mit 1,60m Durchmesser, Glasfaserflügel, Helikopter-Sturmbremse, guter Laderegler, schlecht ausgewuchteter Flügelsatz, auch der Ersatzflügelsatz, Windrad wird nicht mehr hergestellt.


SUPERWIND 350 Ein in Deutschland entwickeltes und im Industrie- und Yachtbereich bewährtes Kleinwindrad mit einer technischen Besonderheit: Wie die Großwindräder arbeitet es mit einer Flügelblattverstellung. Sie arbeitet perfekt und begrenzt die Leistung auf 350 Watt, so dass kein weiterer Sturmschutz notwendig wird. Qualitativ hochwertiges Produkt Made in Germany, sehr leise mit neuen Flüsterflügeln, spezielles Masthaltesystem zur Geräuschentkoppelung bei Dachmontage. Mit unserem angepassten Netzinverter ideales Hauswindrad für Wohngebiete.

AEROCRAFT 750 Älteres Modell: 3-Flügler, 2,40m Durchmesser, aufwändige Blattverstellung mit wenig Wirkung, startete schwer, wir erreichten max. 550 Watt, bald schon Lagergeräusche, die Flügelbefestigung korrodierte stark. Das verbesserte Nachfolgemodell wurde noch nicht von uns getestet.


AIR 403 / AIR X preiswerter 3-Flügler, 1,15m Durchmesser, außergewöhnliches Design, elektronische Sturmbremse, Laderegler integriert, mit den schwarzen Originalflügeln für Küste und Seefahrt konzipierter Starkwindläufer, deutlich zu hören. Nicht geeignet für das Binnenland. Nachfolger ist das AIR Breeze.

AIR BREEZE Speziell für weniger Wind wurde der Nachfolger des viel verkauften AIR X konzipiert. Der Start ist besser, die Geräuschentwicklung ist geringer. Die angegebene Herstellerleistung von 200 Watt (Händler geben bis 600 Watt an!) wird bei 12,5 m/s erreicht. Der Laderegler bremst jetzt zuverlässiger bei vollen Akkus ab. Der Hersteller Southwest Windpower hat nach Konkurs die Produktion verkauft.


Raptor Das "Wunderwindrad" aus den USA. Soll mit 20 Flügeln bis 2000 Watt erzeugen können! Die Mastbefestigung ist eine einfache, unlackierte Konstruktion ohne Kugellager und Schleifringe, Lichtmaschine als Generator, hohes Rastmoment, schlechter Start, nicht stoppbar, sehr leise. 400 Watt maximal erreicht. Etwas für Bastler.


Hornet aus England. Fast identische Konstruktion wie der Raptor, einfache Mastkonstruktion, Lichtmaschine als Generator, billige China-Flügel, mit 6 Flügeln Start nur bei Starkwind möglich, mit mehr Flügeln nicht getestet.


SAVONIUS-ROTOR Prototypen aus Freiburg, senkrecht stehender Drehflügler mit typischen Vertikalläufer-Nachteilen: zwar richtungsunabhängig und technisch o.k., aber groß und schwer, schlechter Start, durch die langsame Drehzahl kaum Leistung, Vibrationen, teuer. Zur Stromerzeugung ungeeignet.

SPIRALFLÜGLER optisch reizvolle Konstruktion aus Edelstahl und GFK-/ Kohlefaserflügeln, aber mit völlig unrealistischer Leistungsangabe, leistungsschwach (wir haben nur 200 Watt erreicht), Unwucht, technische Mängel, Fehlkonstruktion, Produktion wurde eingestellt, angeblich verbesserte Nachfolgemodelle sind weiter auf dem Markt.

Future Energy Von England aus verkauftes China-Windrad. Durchdachte Konstruktion, seitliches Wegdrehen als Sturmschutz, Start ist recht früh, leiser Lauf. Testwindrad und Ersatzmodelle mit Fertigungsmängeln, Generatorschäden, Windrad lässt sich bei Sturm nicht abstoppen, maximal 800 Watt erreicht.

INCLIN 600 2-Flügler aus Spanien, sehr stabil gebaut, Sturmsicherung durch Helikopterstellung, 2m Durchmesser, startet etwas schwer, leise, 500 Watt im Test erreicht, ideal für Standorte mit böigem Wind zur Akkuladung. Aber nichts für Schwach- bis Mittelwindgebiete. Teuer.


Mantelturbine In verschiedenen Varianten angebotenes Windrad, oft aus Fernostproduktion. Meist völlig übertriebene Leistungsangaben. Was bei der Flugzeugturbine funktioniert, macht der Wind nicht mit: Er strömt lieber um die Konstruktion herum, weil er innen abgebremst wird. Mantel stört bei Windrichtungswechseln. Gemessene Daten schlechter als bei frei drehenden Windrädern.


H 40 3-Flügler aus den USA für Mittel- bis Starkwindgebiete. Ein zweites Testmodell läuft seit vielen Jahren erfolgreich in Kanada. Startet ab 3,5 m/s, durch Mastadapter leicht zu montieren, ideal für Akkuladung und modifiziert für die Netzeinspeisung geeignet, 750 Watt Leistung bei 13m/s. Patentierte Seit-Kipp- Sturmsicherung, Teile leicht austauschbar. Nachfolgemodell ist die Whisper 100.

H 80 Der größere Bruder der H 40 mit verlängerten Flügeln und stärkerem Generator ist nach unseren Windkanal-Tests in der Original-Version wegen des ungünstigen Flügel-Generator-Verhältnisses nur bedingt für Netzanschluss geeignet. Das Windrad lässt sich bei Starkwind nicht mit Stoppschalter anhalten! Die Flügel sind extrem laut.



BEE 800 Neu entwickelter innovativer 5 - Flügler - Leeläufer (die Flügel laufen hinter dem Mast), 29 kg Gewicht und Durchmesser von 1,77 m. Montage mit beiliegendem Mastflansch. Sehr leise, wenig anfällig bei böigem Wind, niedrigere Drehzahl als Dreiflügler, Spitzenleistung im Test mit unserem speziell angepassten Inverter 1450 Watt. Stabil und qualitativ hochwertig, nach 3 Jahren Testlauf noch mängelfrei. Geeignet für Wohngebiete.


WINDTOWER Kurzzeitig produziert in Tschechien, 3-Flügler, 2,8m Durchmesser, robuster und handwerklich perfekter, aber schwerer Aufbau, die Blattverstellung funktionierte nicht, kein Laderegler mitgeliefert, keine Montageanleitung, kein Service.

LAKOTA Weiterentwicklung des amerikanischen "Windseekers", einfaches aber robustes Design, Fertigung in China. Die LAKOTA hat leise Flügel aus Karbon. Das Startverhalten ist etwas träge. Spitzenleistung über 1200 Watt. Sicheres Wegkippen des Generatorkopfes bei Sturm, hat unseren Langzeittest an 3 Standorten bestanden. Nach Fertigungsproblemen 2011 Einstellung der Produktion.

Whisper 100 Nachfolgemodell der erfolgreichen H40 aus den USA. Mit verändertem Gehäusedesign und stärkerer Leistung mit 900 Watt bei 12,5 m/s. Gleich geblieben ist der Start bei 3,3 m/s. Sie läuft ruhig und nicht störend, sicheres seitliches Wegdrehen bei Sturmböen, macht einen äußerst robusten Eindruck. Die Generator-Teile sind leicht tauschbar, kein Billigprodukt, gut geeignet zur Akkuladung in größeren Inselsystemen. Mit unserem Netzwechselrichter ein gutes Allround-Windrad. Durch Konkurs von Southwest Winpower keine Produktion mehr.


INCLIN 1500 2-Flügler, älteres Modell mit 2,9 m Durchmesser, seit 2003 mit neuem Flügeldesign und 2,6 m (besserer Start und leiser), startet ab 3,5 m/s, deutlich zu hören, kippt sicher ab, Generator mit Neodymiummagneten, gute Leistung bei mittlerem bis starkem Wind, 12 Monate lang unser Testwindrad für die Netzeinspeisung, 1500 Watt bei 12 m/s erreicht.

3 kW Prototyp Unsere Eigenkonstruktion zum Testen neuer Netzeinspeiser. Generator von Fa. Hübner, Flügel mit Winglets von Michael Heyde, Durchmesser 3 m, guter Start, leiser Lauf, Sturmbremse mit Helikopterstellung, Netzanschluss mit 2 DMI 1500 Netzinvertern. Die Serienfertigung war uns zu riskant.

HEYWIND 3.5 von Michael Heyde in Sachsen entwickeltes und gefertigtes Windrad für Hausnetzanschluss. Robuste Qualität, "Made in Germany". Bewährter Kippmechinismus als Sturmschutz, leiser Lauf, für alle Standorte geeignet, gemessene Leistung entspricht den Angaben, guter Service. Auch als HEYWIND 5 und 6kW lieferbar.


Eine ausführliche Beschreibung mit Preisen der für Batterieladung oder unsere Netzeinspeisung geeigneten Windräder finden Sie im "Windshop".


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